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eVent
woxx | 01 05 2015 | Nr 1317 WAt Ass LAss I 01.05. - 10.05.
Juncker, Ettelbruck, 15h. Tél. 26 81 21-304.
kOnFeRenz
Le droit de vote aux étrangers -
le point de vue des jeunes, table ronde avec représentant-e-s des partis politiques luxembourgeois, Forum Geesseknäppchen, Luxembourg, 18h30.
Großväter, Großmütter: trennung, scheidung, patchwork-Familien, mit Jeannine Schumann, Club-Haus „Op der Heed“, Hupperdange, 19h. Tel. 99 82 36.
Règles et limites dans l’éducation des enfants, soirée pour parents avec Olga Cardoso, foyer de jour Wibbeldewapp (50, rue des Romains), Strassen, 19h30.
Die Finanzkrise als Bestätigung der marxschen kapitalanalyse? Vorträge von Prof. Dr. Malte Faber und PD Dr. Thomas Petersen, mit anschließender Diskussion, Karl-Marx-Haus (Brückentraße 10), Trier (D), 19h30.
La situation au Luxembourg en 1945 : combien de divisions ? Avec Vincent Artuso, Schungfabrik, Tétange, 19h30.
musek
paradise of pain, Musical von Frank Nimsgern, Saarländisches Staatstheater, Saarbrücken (D), 19h30. Tel. 0049 681 30 92-0.
Récital d’orgue, par Marina Tchebourkina, œuvres de Rachmaninov, Chostakovitch, Prokofiev, Glazounov, Tchérepnine, Boutsko et Dianov, église Saint-Martin, Dudelange, 20h.
Actart, œuvres de Piazzolla, Marconi, Glass, Pujol, Brouwer et Ginastera, Cercle Cité, Luxembourg, 20h. www.luxembourgticket.lu
tHeAteR
theatercafé zu the tramp,
Tanztheater, Theater, Trier (D), 19h. Tel. 0049 651 7 18 18 18.
penthesilea, von Heinrich von Kleist, mit Nora Koenig, Théâtre national du Luxembourg (194, rte de Longwy), Luxembourg, 20h. Tel. 47 08 95-1. Siehe gegenüberstehenden Artikel.
Lampedusa, von Henning Mankell, mit Julia Malik, Wicki Kalaitzi und Germain Wagner, Kasemattentheater, Luxembourg, 20h. Tel. 29 12 81.
Verletzliche Amazonen: Penthesilea und ihre Vertraute Prothoe.
THEATER
Zerbrechliche Kriegerin
in die Moderne übersetzt: Kaffee oder auch giftgrüne Smoothies aus Coffe-to- Go-Bechern schlürfend, stolzieren sie in Business-Anzügen und -Kostümen auf und ab, so dass man sich in einer Team-Besprechung wähnt. Doch bevor SIE die Bühne betritt, wird noch flugs an ihrem Mythos gestrickt. In Odysse- us‘ Rede ist sie „Pen-the-si-lea!“, die Verhasste, Unnahbare, Herrschsüch- tige. Wagner spuckt, während er den Amazonen-Krieg verwünscht, ihren Namen, jede Silbe betonend, förmlich heraus ... Bis Nora Koenig in der Rolle der Amazonenkönigin zwischen Über- heblichkeit und Achilles gegenüber teenagerhafter Unsicherheit schwan- kend, auf die Bühne schreitet und sich noch schnell einen Spritzer Odol in den Mund sprüht. Daniel Mutlu gibt den jungen, vor Energie förmlich berstenden Achilles, allerdings mehr experimentierfreudiger Jüngling, als gestandener Krieger.
Die Büroatmosphäre wird schnell durchbrochen, die Bühne in schumm- riges Licht getaucht, und die vier Fi- guren fallen, in rosa Tutus tanzend, in einer rauschenden Orgie übereinander her. Die blutige Schlacht wird als wilde Sex-Orgie realisiert - untermalt vom Kill-Bill-Soundtrack und mit geköpften Rosen garniert.
Und obwohl man meinen könnte, nun sei die Luft raus, läuft Nora Koenig, „halb Furie, halb Grazie“ erst jetzt zu Hochform auf und entblößt Schicht um Schicht ihrer zerbrechlichen Per- sönlichkeit. Das Machtspiel zwischen Penthesilea und Achilles transportiert sich körperlich und über Dialoge - wenn er sie beispielsweise am Schopf packt: „Wer bist du, Unbegreifliche?“ Schnell gerät er in ihre Fänge, und sie weist ihn kühl ab: „Nun denn, mich rufen so mancherlei Geschäfte!“ Und bevor sie, fast den Verstand verlierend, zusammenbricht, schreitet sie resolut durch die Publikumsreihen des TNL, um Krieger zu aquirieren. Doch als das Heer der Amazonen sie ruft, stürzt sie sich wie im blinden Wahn auf Achilles und reißt ihn in Stücke. Erst, als sie aus der Trance erwacht, wird sie ihrer Tat gewahr: „Wer von euch war das?!“
Seine Penthesilea-Kreation inszeniert Maurer so als blutigen, doch zeitlosen Geschlechterkrieg. Und Nora Koenig verkörpert brillant die widerspruchs- volle, zerrissene Frau, die an den Zwängen der emanzipierten Gesell- schaft ebenso zugrunde geht wie an sich selbst. Ein rauschender, leiden- schaftlicher und blutiger Abend!
Am 5., 10., 12. und 13. Mai um 20 Uhr im TNL.
Anina Valle Thiele
stefan maurer bringt kleists „penthesilea“ stark gerafft, doch schlüssig in einer rauschenden Inszenierung auf die Bühne des tnL. und nora koenig überzeugt in der Rolle der charakterstarken Amazonenkönigin.
Bis heute heißt es, das Stück sei zu vielschichtig und im Grunde unspiel- bar. „Penthesilea“, Heinrich von Kleists zweites Trauerspiel, 1808 veröffent- licht und erst 1876 uraufgeführt, ist in der Tat alles andere als leichte Kost. Widerspruchsvoll ist bis heute auch die Rezeption des Stücks, das Goethe schroff zurückwies und das die Autorin Christa Wolf etwa 100 Jahre später aus feministischer Sicht in ihre Erzählung „Kassandra“ verwob.
Schauplatz ist der Trojanische Krieg: Im Kampf zwischen Griechen und Trojanern löst das auf dem Schlacht- feld erscheinende Amazonenheer allgemeine Verwirrung aus, denn es schlägt sich nicht auf eine Seite, sondern sucht wahllos Gegner. Und die Amazonenkönigin Penthesilea verliebt sich in Achilles, der seinerseits die Begegnung mit ihr sucht. Damit nimmt die Tragödie ihren Lauf, denn im Frauenstaat der Amazonen gibt es keine Männer. Die Besiegten werden lediglich heimgeführt, um den Nach- wuchs zu sichern. Das hat Penthesilea auch mit Achilles vor, doch wird sie verwundet und fällt in Ohnmacht. Um ihr die Schmach der Niederlage zu
ersparen, bittet ihre Vertraute Pro- thoe (Monke Ipsen) Achilles, sich als Verlierer auszugeben, und Penthesilea durchschaut das Spiel nicht ...
Kleists Penthesilea ist eine schillernde Frauenfigur. Hin- und hergerissen steht sie außerhalb ihrer Lebensbezüge, weil sie das Amazonengesetz gebro- chen hat. Sie sieht sich als gescheitert, weil sie glaubt, Achilles Liebe nicht gewonnen zu haben und die Gesetze gebrochen hat. Am Ende vermag die zerbrechliche Herrscherin keine klare Entscheidung mehr zu fällen und fällt über ihn her. In der Verschränkung von Krieg und Liebe enthüllt Kleist die Liebe als Kampf der Geschlechter. Und er zeigt die Liebe als ein unbedingtes, sich über alle Regeln hinwegsetzendes Gefühl, das in Todeswut und Raserei kulminiert.
Stefan Maurer, der bereits 2011 am TNL „Amphitryon“ inszenierte, hat den komplexen Stoff stark gerafft und auf vier Figuren reduziert. In seiner rau- schenden, 100-minütigen Inszenierung konzentriert er sich auf den Geschlech- terkampf. Penthesilea ist Jägerin wie Gejagte.
Kulisse wie Kostüme sind kompro- misslos in die Gegenwart gezogen. An einem langen Konferenztisch, unter dem Gemälde einer blutigen Schlacht, sitzt anfangs ein müder Odysseus (Ger- main Wagner) und liest Zeitung. Die antiken Figuren hat Maurer ebenfalls
PHOTO : BOHUMIL KOSTOHRYZ

