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6 REGARDS
woxx  |  17 04 2015  |  Nr 1315
THEMA
REGARDS
WERTEUNTERRICHT
„Sich von Maximal- positionen trennen“
David Angel
Die Vorstellung eines Rahmendokuments zum einheitlichen Werteunterricht und die Nominierung des Schweizer Bildungswissenschaftlers Jürgen Oelkers als Moderator der mit dessen Ausarbeitung betrauten Arbeitsgruppen hatten teils heftige Reaktionen zur Folge. Die woxx hat sich mit Professor Oelkers unterhalten.
woxx: Ihre Nominierung als Mode- rator der mit der Ausarbeitung eines einheitlichen Werteunterrichts be- fassten Arbeitsgruppen hat in Luxem- burg eine recht hitzige Debatte aus- gelöst. Hat Sie das überrascht?
Jürgen Oelkers: Mich haben die Re- aktionen nach dem Vortrag, den ich gehalten habe, überrascht, ja. Von dem anderen ist mir nichts bekannt. Ich weiß nicht, worauf sich Ihre Be- merkung bezieht, wahrscheinlich auf Leserbriefe oder andere Stellung- nahmen, aber die kenne ich nicht. Ich war überrascht, dass am Schluss meines Vortrags offenbar vorbereite- te Fragen kamen, die in meinen Au- gen relativ heftig waren. Es ging aus- schließlich um das Thema Religion, obwohl ich in meinem Vortrag deut- lich gesagt habe, dass diese ein Teil des neuen Faches ist, nicht das Fach selbst.
Sind Sie gewissermaßen dem Ärger über das vorgestellte Rahmendoku- ment und den Platz, den die Religi- onen darin innehaben, zum Opfer gefallen?
Das müssen Sie die Leute fragen, die die Fragen gestellt haben. Wir ken-
nen das ja hier (in der Schweiz, Anm. d. R.) auch, dass es radikal religions- kritische Positionen gibt, die Religion überhaupt nicht in der Schule haben wollen, wie das ja so ähnlich auch in Frankreich und in den Vereinigten Staaten der Fall ist. Wir gehen aber davon aus, dass man Religion sehr wohl in der Schule behandeln kann, wenngleich nicht im Sinne von Glau- bensunterricht. Aber nochmals: Über- rascht hat mich, dass es tatsächlich nur um diese Frage ging. In dem Rah- mendokument ist zwar von Religion die Rede, aber nur als möglicher Teil des neuen Fachs. Wobei dieses nicht einmal in Umrissen erkennbar ist, schließlich beginnt die Arbeit daran ja gerade erst. Der Konflikt besteht aber darin, dass es bislang zwei Fä- cher gab, die unterschiedlich ausge- richtet waren, und da wird jetzt das neue Fach beargwöhnt. Wir kennen das auch von anderen, ähnlichen Entwicklungen, dass man immer Schwierigkeiten hat, wenn man etwas Neues auf etwas Altem aufbaut. Das ist als Reaktion normal.
Für Kritik hat auch Ihre Aussage bei der öffentlichen Debatte gesorgt, in Frankreich habe man keine Religion an der Schule - jetzt sehe man ja, was man davon habe.
Diese Aussage bezog sich auf Stel- lungnahmen, etwa in der Neuen Zürcher Zeitung, in der französische Intellektuelle die Meinung geäußert haben, dass es in Frankreich an der Zeit sei, über einen konfessionsneut- ralen Unterricht nachzudenken. Das ist nicht meine Idee gewesen. Wir kennen das ja auch aus Studien vor allem aus den Vereinigten Staaten:


































































































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