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4 REGARDS
woxx  |  10 04 2015  |  Nr 1314
THEMA
REGARDS
GLEICHSTELLUNG
„Wir sind
dabei, massiv
aufzuholen“
Interview: Anina Valle Thiele
Die Regierung hat sich die Gleichstellung groß auf die Fahnen geschrieben. Im Interview mit der woxx zieht Ministerin Lydia Mutsch eine positive Bilanz.
woxx: Sind Sie seit Beginn ih- rer Amtszeit dem Ziel, Chancen- gleichheit zu erreichen, ein Stück nähergekommen?
Lydia Mutsch: Ja, das glaube ich schon. Bereits vor meinem Amtsan- tritt sind wir als neue Regierung der Verwirklichung dieses Anspruchs nähergekommen, weil wir als Erste ein konkretes Ziel im Regierungspro- gramm festgelegt haben, nämlich bis 2019 eine Präsenz von 40 Prozent des unterrepräsentierten Geschlechts, also der Frauen, in den Verwaltungsräten der öffentlichen Betriebe und der Fir- men, an denen der Staat beteiligt ist, erreichen zu wollen. Dieses Vorha- ben haben wir natürlich auch für uns selbst eingeklagt und deshalb gleich mit der Umsetzung begonnen. Im Jahr 2014 haben wir in 39 Prozent aller neuen Nominationen in öffentlichen Betrieben oder in Betrieben, an denen der Staat eine Beteiligung hält, Frauen eingesetzt. In den genannten Fällen ist die Repräsentation der Frau mit 15 bis 20 Prozent noch immer sehr gering. Das hat zu einer Verbesserung der Gesamtsituation beigetragen. Diesen Prozentsatz haben wir allein durch die Erledigung der regierungseigenen Hausaufgaben in die Höhe getrieben. Sodass wir jetzt bei immerhin 26 Pro- zent liegen, was die Vertreter der Re- gierung angeht. Allerdings werden ja die Nominierungen nicht nur durch die Regierung, sondern auch durch externe Akteure wie Berufskammern
oder Gewerkschaften vorgenommen, und deshalb appellieren wir an alle Betriebe, dass dieses Regierungsvor- haben auch externe Zustimmung fin- det, denn ohne diese kommen wir nicht auf die angestrebten 40 Prozent.
„Es hat sich einfach historisch so entwickelt, dass wir heute mehr Männer als Frauen
auf dem Arbeitsmarkt haben.“
Obwohl mehr Frauen einen Univer- sitätsabschluss haben als Männer, sind sie doch vor allem in Entschei- dungsgremien noch immer unterre- präsentiert. Woran liegt das?
Fast 60 Prozent aller Universitäts- Diplomierten sind mittlerweile Frau- en. Dafür gibt es viele Gründe. Es hat sich einfach historisch so entwi- ckelt, dass wir heute mehr Männer als Frauen auf dem Arbeitsmarkt haben. Wir sind zwar jetzt dabei, massiv aufzuholen und die Partizi- pation von Frauen zu erhöhen, aber hier gibt es immer noch Vorurteile, wie etwa das geläufige, dass Frauen für Entscheidungspositionen weniger geeignet seien. Auch die Stereotype zur Berufswahl und zur Aufteilung von Berufs- und Familienleben stel- len Hindernisse dar. Da herrschen bei uns im Land noch gesellschaft- liche Modelle vor, die eher nicht förderlich sind. Die neue Regierung ist allerdings der Meinung, dass das alles mit dem Bild einer modernen Gesellschaft nicht mehr in Einklang


































































































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