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woxx  |  10 04 2015  |  Nr 1314
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ist. 50 Prozent der in unserem Land Lebenden sind Frauen, und wir fin- den es nicht normal, dass nur 15 bis 20 Prozent dieser Frauen Ent- scheidungspositionen innehaben. Insofern haben wir den Versuch unternommen, das zu ändern. Ein Instrument hierbei ist das „Female Board Pool“, das wir am Dienstag der Presse vorgestellt haben. Das ist eine vom Chancengleichheitsmi- nisterium konventionierte Asbl, die Frauen, die bereit sind, Mitglied in Verwaltungsräten zu werden, in eine Datenbank aufnimmt. In dieser sind mittlerweile über 400 Frauen erfasst. Die Datenbank ist also geeignet, das Vorurteil zu entkräften, dass es an Frauen mangelt, die bereit sind, Ver- antwortung zu übernehmen.
„Die Quote ist von dieser Regierung nie als Allheilmittel verstanden worden, aber doch als nützliches Instrument, um in absehbarer Zeit das Ziel zu erreichen, das wir uns politisch gesetzt haben.“
Welche Maßnahmen sind künftig noch vorgesehen, um die Geschlech- terparität zu erreichen? Ist die Quote noch immer das Allheilmittel? Ze- mentiert sie nicht den Opferstatus der Frau?
Die Quote ist von dieser Regierung nie als Allheilmittel verstanden wor- den, aber doch als nützliches Instru-
ment, um in absehbarer Zeit das Ziel zu erreichen, das wir uns politisch ge- setzt haben. Ich weiß, dass niemand die Quote sehr schön oder sehr ero- tisch findet, aber sie ist nachweislich das Instrument, das am ehesten ge- eignet ist, in einem kurzen Zeitraum eine bessere Repräsentation der Frau in der Gesellschaft, in der Politik und in der Wirtschaft herbeizuführen. Das Ausland hat uns das auch demonst- riert. Das heißt aber nicht, das die Quote das einzige Instrument ist, es gibt auch die „actions positives“, die bereits seit Jahren bei uns im Land gefördert werden - gemeinsam mit Unternehmen, und auf freiwilliger Ba- sis. Wir haben als Regierung die Ab- sprache getroffen, dass wir ein Netz- werk aller Unternehmen knüpfen, die bereit sind, so ein positives Akti- onsprogramm in Angriff zu nehmen. Das Chancengleichheitsministerium unterstützt diese Initiative ebenfalls, aber wir erwarten von den Unterneh- men, dass sie sich verbindliche Ziel- vorgaben setzen, an denen sie sich
messen lassen. Das heißt, sie müssen auch - so wie wir das als Regierung gemacht haben - einen Zeitraum und eine genaue Zielvorgabe nennen und eine Evaluation der erreichten Ziele vornehmen. Das ist sehr wichtig. Pa- rallel sensibilisieren wir als Ministeri- um für Chancengleichheit in anderen Bereichen, wie der Bekämpfung von Stereotypen in den Schulen, bei der Erziehung, bei der Berufswahl.
„Es ist noch sehr
viel zusätzliche Aufklärungsarbeit notwendig, aber ich spüre, dass es auch da ein Umdenken gibt.“
Die Sensibilisierungs-Kampagne des Chancengleichheitsministeriums, die aus vier Kurzfilmen bestand, in denen der Unternehmer als Affe dar- gestellt wurde, war gerade bei Män-
nern sehr umstritten. Einige fühlten sich diskriminiert. Stehen Sie noch immer hinter dieser Kampagne?
Ja, ich habe mich sehr darüber ge- freut, dass wir vor einigen Wochen eine Auszeichnung für diese Affen- Kampagne bekommen haben - von ei- nem der größten Zeitschriftenverlage in Luxemburg. Sie ist von Zeitungsle- sern ausgewählt worden als die Kam- pagne, die am besten auf ein Thema aufmerksam macht. Ich glaube nicht, dass es der Sinn einer Kampagne ist, jedem zu gefallen. Wenn man das möchte, malt man besser ein schönes Bild oder singt ein nettes Lied. Das ist nicht unsere Aufgabe. Unsere Aufgabe ist es, für ein Thema zu sensibilisie- ren und konstruktive Lösungsansätze zu geben. Der Affe, der übrigens weib- lich war, sollte überhaupt keine Ge- schlechtszugehörigkeit haben. Es ist schade, aber auch sehr bezeichnend, dass sich Unternehmer in dem Affen wiedererkannt haben - ohne, dass sie anvisiert waren. Der Affe sollte
Stolz auf das Erreichte und optimistisch,  was die Zukunft angeht: Die sozialistische 
Gleichstellungsministerin in ihrem Büro.
Der moderne  Uni-Alltag erfordert  zunehmend  flexiblere Forscher. 
QUELLE: WOXX


































































































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